Twitter-Kompatible Zusammenfassung vorab: "Burn after Reading" ist ein Meisterwerk.
Aber von vorne: Osbourne Cox (John Malkovich) war bis gerade eben noch CIA-Agent, dann hatte ein "Fuck you" auch schon sein Arbeitsverhältnis beendet. Nicht ohne Grund natürlich, das "Fuck you", aber mit Konsequenz. Seine Frau gehört nämlich zu den weniger verständnisvollen und plant die Scheidung, um mit ihrem Liebhaber Harry (George Clooney) weiter zu machen wie bisher. Als die Assistentin ihres Anwalts eine CD-Rom mit Kontodaten, aber auch den Memoiren von Osbourne im Fitnesstudio verliert, bricht ein heilloses Chaos aus. Involviert: eine deprimierte Mitt/Endvierzigerin (Frances McDormand), die hofft, vom "Finderlohn" lebensverändernde Schönheitsoperationen zu bezahlen, ein Fitnesstrainer dem das wort "classified" zu kopf steigt, ein Internet-Dating-Portal, die Russen und die C.I.A.
Am ende fasst sich der Film perfekt selbst zusammen:
CIA Superior: What did we learn?
CIA Officer: Uh...
CIA Superior: Not to do it again.
[pause]
CIA Superior: I don't know what the fuck it is we *did*, but...
Die Coen Brothers haben wohl ihre beste Komödie seit "Oh Brother Where Art Thou?" produziert, geschrieben und gefilmt. Sie haben ihr Talent, Charaktere an den Rand der Unglaubwürdigkeit zu treiben, ohne auch nur ein einziges mal hinüber zu treten, perfekt eingesetzt und machen nach dem ebenfalls fantastischen "No Country for Old Men" endlich die Fehltritte der letzten Jahre (Intolerable Cruelty und Ladykillers) vergessen.
Jetzt mal ganz ohne Metaphorik: Universal will, dass es verboten ist, Promo-CDs wegzuwerfen. Also zumindest in den USA, wo die EFF jetzt entsprechende Aktion einleitet.
Ich muss ja sagen: großartig. Ich habe zu Hochzeiten, als mich die ganze Musik-Redaktions-Geschichte noch mehr interessiert hat, drei bis vier Briefe pro Tag erhalten, in denen Promo-CDs waren. Bislang wußte ich nie, wohin damit. Meistens wanderten sie in den Müll oder in den Second-Hand-Laden. Der Gedanke, sie jetzt aber permanent an meine Besitztümer ketten zu müssen reizt mich. Schon alleine weil ich mir das lustig vorstelle, wenn AOL das gleiche verlangen würde. Damit ließe sich viel Schabernack treiben, in dieser verrückten Welt, auch wenn ich darunter leiden müsste, geschickt genutzt könnte die Schadenfreude überwiegen.
Zugegeben, Why? hatten mich nach dem letzten Album ein wenig genervt. Vor allem nach der Tour.
Und dann kam "Alopecia". Schleichend, aber es kam. Und langsam entfaltete sich die Lyrik in meinem Kopf. Sätze wie "Even though I haven't seen you in years, yours is a funeral i'd fly to from anywhere". Und ich war verliebt in diese Musik und ihre wunderbare leichtfertige Schönheit. Die Why?-Typisch immer wieder durchbrochen wird von der harschen Realität. Und sich dann wieder auflöst in Dinge wie "I thought no paved street is worthy of your perfect scandinavian Feet". Beide Sätze übrigens von "These Few Presidents".
Im Gegensatz zu benanntem Lied gibt es zu "Song of the Sad Assassin" auch ein Musikvideo.
Ach, was schreibe ich hier, statt weiter zu schwelgen, und zwar schon seit wochen. Hört und seht:
Klingeltöne für Handkommunikate sind ja meist Reizthema, weil mit hässlichen Fröschen und beknackten Vögeln konnotiert. Dabei gibt's da draußen auch anderes. Toneshared zum Beispiel. Eine Projektseite die Klingeltöne von Künstlern wie Vladislav Delay, Felix Kubin, Gudrun Gut, Caribou oder Alva Noto sammelt und kostenlos zur Verfügung (mp3) stellt. Und diese Klingeltöne sind großartig. Echte Soundkunstwerke auf 1-4 Sekunden, zwischen schön, interessant und nervtötend. Und endlich mal ein Klingelton, der eine eindeutige Identifikation erlaubt.
War ja eigentlich klar: Apple verzichtet zwar auf Kopier- und Abspielschutz in den neuen iTunes-Plus-Dateien, belegt sie dafür aber mit Spuren, denen zufolge der Käufer lieber kein Filesharing betreibt. Zumindest schreibt das The Unofficial Apple Weblog. Wie geschrieben: war eigentlich klar, es ärgert mich trotzdem, weil das natürlich allen möglichen Problemen Tür und Tor öffnet. Muss ja nicht ich sein, der die Datei in ein .torrent packt, vielleicht auch ein Freun ddem ich die Datei (völlig legal) kopiert habe. Und "DRM-Frei" ist das auch nicht, so ein System...
Nine Inch Nails haben schon mit dem Downloadangebot für den ersten Song ihres neuen Albums für Wirbel gesorgt, vor allem weil die RIAA dann anfing Leute zu verklagen die diesen Song weiter verbreiteten. Obwohl das gewünscht war.
Jetzt aber zeigen die Nägel, was wirklich fortschrittlich ist, und veröffentlichen drei weitere Songs in Formaten die sehr einfaches Remixen, etwa per GarageBand oder Logic erlauben. Der eigentlich interessante teil dieser Geschichte ist aber, dass die Band dafür The Pirate Bay nutzt. Ja, genau, der schwedische Bittorrent-Tracker den unter anderem Interscope/Universal, das Label bei denen NIN unter Vertrag sind, über ihren Verband, die RIAA, verzweifelt versucht mit legalen und illegalen Mitteln aus der Welt zu schaffen. (via)
Schon seltsam. Da schreibt Steve Jobs einen Aufsatz über Musik und die Tatsache, dass Apples "Fairplay"-DRM-System auf der Tatsache basiere, dass der iTunes Music Store ohne entsprechende Maßnahmen keine Lizenzen von den vier großen Plattenfirmen bekäme. Und von der De-Bug bis zur Technology Liberation Front wird er gelobt.
Was ich wiederum nicht nachvollziehen kann. Sein Fingerzeigen ist ungefähr das gleiche, wie es hierzulande permanent mit der bösen EU gemacht wird. Regierung klagt über EU-Richtlinie, sagt "wir können aber nix tun", ist dabei der größte Player in der EU. Analog dazu natürlich Apple, die inzwischen eine weitaus größere Macht haben, als die vier Konzerne. Wollte Jobs wirklich etwas gegen DRM tun, hätte es Nachverhandlungen in den Verträgen gegeben. Keine "Nachbesserungen" wie es bei iTunes gab, wo dem User Stück für Stück Rechte genommen wurden.
Nun klingt das etwas nach Hybris, da auch meinereiner auf MacBookPro arbeitet und einen iPod besitzt. Abgesehen davon ist es jedoch so, dass alle Verweise eines Herren Jobs darauf, dass die Anzahl der Tracks die ohne DRM verkauft werden (nämlich per CD) um ein vielfaches größer sei als die der verkrüppelten Audiofiles, nicht darüber hinweg täuschen können, dass es viel leichter ist, schöne Reden zu halten, als einfach Taten folgen zu lassen. "Wir können ja gar nichts machen" ist auch eine viel leichtere Aussage als "unsere Techniker arbeiten daran dass der iTMS nur dann DRM einbaut wenn er muß (wie zum Beispiel auch DVD-Jon fordert.)
Nun genug gepoltert. Ich bin erstaunt darüber, wie einfach es heutzutage ist, gute PR zu bekommen. Das ist als würde VW für einen Aufsatz beklatscht, in dem der Vorstand erklärt, dass Spritsparende Autos toll seien aber die Ölindustrie etwas dagegen hätte. Update:Inzwischenschreibtdie halbe Weltdarüber.
Und DVD-Jon hat einige weitereanmerkungen...
Wie so ebenerfahren, ist Alice Coltrane am Freitag gestorben.
Es gäbe so viel über Alice zu sagen, mich persönlich hat sie seit ihrem Interview vor drei Jahren im Wire (deren Lektüre mich zum sofortigen Download aller verfügbarer Alben bewegte) begeistert. Die Harfenklänge auf "Eternity", die wunderbaren Arrangements von Lord of Lords und all den anderen Alben mit hinduistisch-spirituellem Bezug und einem Jazz, der sich freier nicht anfühlen könnte. Nicht zuletzt, weil Alice Coltrane nach langer Schaffenspause gerade wieder angefangen hatte, Musik zu schreiben und Konzerte zu geben, bin ich einer unter vielen, die sie vermissen werden.
Timbaland ist ein smarter typ. Seit einigen Jahren produziert er Top-Hits am Fließband und gibt Gott und der Welt seinen eigenen Sound, den man gut finden kann (aber nicht muß).
Nur manchmal, da scheint auch Timbaland so einen kleinen Aussetzer zu haben. Vielleicht rückt da der Abgabetermin für einen Track näher und ihm fällt einfach nichts ein. Was tun in so einem Moment?
Nun, im Falle von Nelly Furtado's Top-Sonstwas-Hit "Do It" scheint sich der Herr Land ganz offensichtlich an einem Track bedient haben, der im Jahre 2000 auf einem Finnischen Demoscene-Contest gewonnen hat. Das zumindest schreibt ein Mensch bei Somethingawful und wenn ich mir den Vergleich anhöre den es bei The Pirate Bay so schön zusammen gestellt gibt, dann muss ich sagen, Das (40-Sekunden-Snippet) klingt schon sehr nach dem hier.
Habe gerade bei einem Konzert mit Markus gequatscht, der das feine Label Staubgold inne hat. Wie ich schon erwartet hatte, hat er kein Problem damit, dass Songs seiner Musiker in Podcasts auftauchen. Das ist im übrigen bei vielen Labels so, so dass die GEMA tatsächlich als letzte Hürde in Deutschland übrig bleibt. Das würde aber, zumindest nach meinem Rechtsverständnis, erlauben dass man entsprechende Podcasts im Ausland hostet wo die GEMA diesen Anspruch nicht hat.
Der londoner Sender Resonance FM hat im übrigen auch für jeden Podcast die vollen Rechte geklärt. Für meine Sendung Final Muzak (4. Sonntag im Monat auf Querfunk) wäre das also eine Alternative zum semilegalen Podcasten über Bittorrent oder in der Hoffnung dass das keiner mitbekommt.
Bleibt die Frage, bei welchen Labels das noch möglich ist, also eine "kein problem, macht einfach, sagt uns bescheid"-Lizenz fürs Podcasten einzuholen (Netlabels ausgeschlossen, da gehe ich einfach davon aus dass das geht).
Eine Liste darf auch gerne hier in den Comments entstehen. Oder ein Hinweis auf eine solche Liste.
Sieht so aus, würde es im Musikgeschäft wieder einen großen Knall geben. Wie unter anderem dieTimes berichtet, steht die EMI als letztes großes Eigenständiges Musiklabel (SongBMG gehört zu Sony und Bertslsmann, Universal gehört zu Vivendi und Warner gehört zu AOLTimeWarner oder auch doch nicht mehr, auf jeden fall ist da auch mehr dabei als nur Musik) zum Verkauf. Sehr wahrscheinlich, so scheine es laut Times, würde es eine Fusion mit Warner geben, womit wir dann nur noch drei Major-Labels haben. Interessanterweise wird auch Apple als möglicher Käufer ins Spiel gebracht, was ich aber nicht so recht glauben mag, weil ich nicht glaube, dass das zu Apple passt und die Firma Milliarden kösten könnte, weil es da ja diesen Rechtsstreit mit den anderen gibt, die sich Apple nennen.
Interessanterweise spricht die Times davon, dass WarnerEMI dann Universal und SonyBMG angreifen könnten, im Kampf um das Musikbusiness. Was mich wundert, denn die ganzen Major-Labels waren schon immer ein einziges symbiotisches Kartell und es gibt wenige Geschäftsbereiche in denen Marktanteile weniger zählen. Auf der anderen Seite zeigt ein solches Denken natürlich ganz gut das Dilemma in dem die Musikkonzerne stecken: kein Bezug mehr zum Produkt und schon gar nicht zum Kunden.
Unter dem Banner "Make some Noise" haben eine Reihe von Künstlern, unter anderem die Black Eyed Peas, The Cure oder The Postal Service für Amnesty International jeweils eine Coverversion eines John Lennon-Songs aufgenommen. Den ganzen Sampler kann man sich natürlich bestellen, Geld geht an die Menschenrechtsorganisation.
Was dabei überraschend ist: die Songs lassen sich auch per Download kaufen, 1 Euro pro Stück. Dabei kann der Konsument tatsächlich auswählen: WMA, AAC oder aber mp3 - ohne DRM und in guter Qualität (192 Kbps). Kleines Lob an dieser Stelle, ich bin ja ehrlich gesagt überhaupt nur auf die Seite gegangen, um zu überprüfen, was die an Dateiformaten anbieten. So aber: empfehlenswert! (vielleicht auch musikalisch)
Der Kanadische Urheberrechtsprofessor und -aktivist Michael Geist berichtet von einer Studie (PDF), die der Verband der Kanadischen Musikindustrie (CRIA) wohl am liebsten hätte verschwinden lassen - und das obwohl die CRIA die Studie selbst in Auftrag gegeben hatte. Ähnlich wie die Brennerstudie hierzulande, war eine relevante Menge an Menschen nach ihren Musikkonsum-Gewohnheiten befragt worden. Dabei kam unter anderem heraus, dass von denjenigen, die Filesharing betreiben, nur ca. 33 Prozent aller Musik aus den P2P-Programmen stammt, 36% hingegen von eigenen CDs, 20 % von bezahlten und 6% von legalen, kostenlosen Downloads. Auch der Mythos von den musikstehlenden Teenagern wurde von der Studie eindrucksvoll widerlegt: ausgerechnet die Gruppe der 35-44-Jährigen bot die größte Diskrepanz zwischen Downloads (31%) und CDs(27%).
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