Ok, die harte Wahrheit direkt ins Gesicht: Borat, der Film, ist Mist.
Ja, ehrlich und nein, ich bin kein humorloser Sack der da drin Rassismus sieht, weil er dem Volk so viel Dummheit unterstellt, es käme nicht mit Satire klar.
Sacha Baron Cohen und seine Figuren leben von 2 Dingen: Cohens schier unendlichem Improvisationstalent und Menschen an denen er dieses Talent ausprobieren kann.
Nun war ja viel geschrieben worden, gehyped auch, was diese Dinge angeht, und man konnte fast glauben, den Charakter Borat und seine immer ähnliche, selten unlustige, rückständige und unbeholfene Art hätte Cohen erst jetzt an die Öffentlichkeit gebracht; dabei war das eigentlich faszinierende, dass dem Pseudo-Kasachen anscheinend die Opfer nicht ausgehen können.
Doch selbst das kann Borat in Spielfilmlänge nicht halten: zwischen einigen wenigen guten Interviews reihen sich reihenweise füllszenen. Die entstehen entweder, weil gleich die ganze Idee nicht sonderlich witzig, oder die Umsetzung fehlgeschlagen ist. So zum Beispiel bei zwei Gesprächen mit Congress-Mitgliedern, die jeweils mit einem der kuriosen "Fakten" aus Borats fiktivem Leben konfrontiert werden.
Auch die schon aus der Fernsehserie bekannten "Schlechtes benehmen"-Sketche sind kaum noch lustig wenn zum wiederholten Male aufgewärmt.
Das alles ließe sich aber noch ertragen. Wäre da nicht der Zwang aus vielen einzelnen Szenen irgendwie eine Geschichte machen zu wollen, indem man auf Teufel-Komm-Raus eine Geschichte dazu erfindet. Wirklich unnötig, diese dann auch noch mit haarsträubend albernem Slapstick aus zu staffieren, der wiederholt solch minderer Stilmittel wie dem Humor mit Fäkalien bedienen muss.
Borat im Bed and Breakfast bei Juden, deren Essen er nicht will, Borat der sich einen Bären kauft, und den im Lieferwagen mifahren lässt (ganz offensichtlich gestellt und mit trainiertem Bären gefilmt), Borat, der zum Schluss Pamela Anderson heiraten will, dann aber mit einer Prostituierten anbandelt.
Ja, da gibt es nicht mehr viel, was gut, neu, lustig sein könnte. Empfehlung deshalb: Youtube anschmeißen, nach Ali G, Brüno oder Borat suchen, totlachen und das Geld in einen lohnenderen Film stecken oder gleich spenden.
Bleibt die Theorie, dass Cohen am Ende nicht nur die Interviewpartner, in ihrer latenten oder auch offenen Feindlichkeit gegenüber Homosexuellen, Juden, Sinti und Roma und vielen anderen entlarven will, sondern auch das Publikum, das manchmal wirklich jeden abgedroschenen Scheiß kauft, solange man ihn nur richtig serviert.
Heute ist es nun soweit, Borats Dokumentarfilm über US und A kommt in einer schlecht syncronisierten deutschen Fassung in die Kinos europäischen Kinos. Morgen folgt die Veröffentlichung in US und A und Kanada. Passend dazu gibt es ...
Tracked: Nov 03, 11:20